a nafka mina – was macht das aus,

sagte die dame judith und kehrte uns die taube seite zu. ihre liebe behielt sie fuer sich wie ihr geheimnis und der todesengel erwischte sie doch auf dem falschen fuß.

dass das schicksal zwei brueder hat, naemlich einen guten und einen boesen, die glueck und zufall heißen und dass das leben regeln braucht, wenn man die brueder aus dem haus haben will; dass liebe durch die maegen italienischer kriegsgefangener geht und der alte zopf laengst nicht in vergessenheit geraet, nur weil er ab ist; dass der schnee die anmutigen engel aus dem norden lockt und die kraehen ein unwissenschaftliches volk bilden; dass die liebe dinge vollbringt, die die menschen nicht fassen koennen und der kuhhandel gelernt sein will; dass die milch sauer wird, wenn man die liebenden trennt und man felsen besser in ihrer grube laesst; dass die seele sich dem querleser verschließt und zwischen den zeilen wartet, bis man sie dort besuchen kommt; dass die buchstaben wie die gedanken manchmal rueckwaerts laufen und dass sprache von den verschmitzten woertern lebt, die sich unter das korrekte begriffsvolk mogeln.

einmal, wenn es um unsere welt arm an gefuehlen steht, wird man nach den gefilden suchen, in denen die liebe nistet. man wird diese als versteckte bibliotheken und groeßte schaetze handeln und ihre erschaffer befragen, aushorchen, man wird versuchen hinter das geheimnis ihrer menschenkenntnis zu kommen und die filigranen muster untersuchen, zwischen deren aestlein den voeglein gleich tschiept, was sich aus den menschenseelen verfluechtigt hat. man wird dort nichts finden. man wird skalpell und baumschere schaerfen und proben nehmen von dem alten holz, seine struktur beschreiben und seine seele verscheuchen.

die liegt in einem laecheln, mit dem die juden ihr leben meistern, im kleinen wie großen wie schrecklich wie schoenen. sie liegt in einem laecheln, das erhaben ist ueber jeden spott und jedem ding seinen platz zubilligt auf der erde, ein laecheln, mit dem meir shalev uns von judiths liebe erzaehlt, die ein kleines kind namens sejde gebar, das drei vaeter hat. ein kind, das dem todesengel und der leidenschaft trotzt, die beleidigt und verwirrt von dannen ziehen, denn bei einem kind, das großvater heißt, da muss ein irrtum vorliegen.

nur auf der suche nach diesem laecheln durchstreifte ich vor tagen das juedische museum. mich interessierten nicht diaspora, nicht worms, nicht exodus und nicht voelkermord. in den museumsladen zog mich nur die traege neugier, die zwischen zeitzeugengeschwafel und postkartenkitsch nichts bedeutendes erwartete. doch da lag sie, auf einen buchdeckel gebannt, und laechelte mich an: die lebhafte juedische seele!

judith_1200_klein

wer von dieser welt geht, ohne darin geblaettert zu haben, tut mir leid. ich moechte auch die uebersetzerin ueber alle maßen loben, die das laecheln fuer unsere sprache erschlossen hat!

Zufallsbild

glasloewe

User Status

Du bist nicht angemeldet.

stats


bild
freunde
fusion
hit the road
liebes tagebuch
life
politik
schoenes
sex
tiefes
ton
untiefes
wort
zynisches
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren