Dienstag, 14. Oktober 2008

a nafka mina – was macht das aus,

sagte die dame judith und kehrte uns die taube seite zu. ihre liebe behielt sie fuer sich wie ihr geheimnis und der todesengel erwischte sie doch auf dem falschen fuß.

dass das schicksal zwei brueder hat, naemlich einen guten und einen boesen, die glueck und zufall heißen und dass das leben regeln braucht, wenn man die brueder aus dem haus haben will; dass liebe durch die maegen italienischer kriegsgefangener geht und der alte zopf laengst nicht in vergessenheit geraet, nur weil er ab ist; dass der schnee die anmutigen engel aus dem norden lockt und die kraehen ein unwissenschaftliches volk bilden; dass die liebe dinge vollbringt, die die menschen nicht fassen koennen und der kuhhandel gelernt sein will; dass die milch sauer wird, wenn man die liebenden trennt und man felsen besser in ihrer grube laesst; dass die seele sich dem querleser verschließt und zwischen den zeilen wartet, bis man sie dort besuchen kommt; dass die buchstaben wie die gedanken manchmal rueckwaerts laufen und dass sprache von den verschmitzten woertern lebt, die sich unter das korrekte begriffsvolk mogeln.

einmal, wenn es um unsere welt arm an gefuehlen steht, wird man nach den gefilden suchen, in denen die liebe nistet. man wird diese als versteckte bibliotheken und groeßte schaetze handeln und ihre erschaffer befragen, aushorchen, man wird versuchen hinter das geheimnis ihrer menschenkenntnis zu kommen und die filigranen muster untersuchen, zwischen deren aestlein den voeglein gleich tschiept, was sich aus den menschenseelen verfluechtigt hat. man wird dort nichts finden. man wird skalpell und baumschere schaerfen und proben nehmen von dem alten holz, seine struktur beschreiben und seine seele verscheuchen.

die liegt in einem laecheln, mit dem die juden ihr leben meistern, im kleinen wie großen wie schrecklich wie schoenen. sie liegt in einem laecheln, das erhaben ist ueber jeden spott und jedem ding seinen platz zubilligt auf der erde, ein laecheln, mit dem meir shalev uns von judiths liebe erzaehlt, die ein kleines kind namens sejde gebar, das drei vaeter hat. ein kind, das dem todesengel und der leidenschaft trotzt, die beleidigt und verwirrt von dannen ziehen, denn bei einem kind, das großvater heißt, da muss ein irrtum vorliegen.

nur auf der suche nach diesem laecheln durchstreifte ich vor tagen das juedische museum. mich interessierten nicht diaspora, nicht worms, nicht exodus und nicht voelkermord. in den museumsladen zog mich nur die traege neugier, die zwischen zeitzeugengeschwafel und postkartenkitsch nichts bedeutendes erwartete. doch da lag sie, auf einen buchdeckel gebannt, und laechelte mich an: die lebhafte juedische seele!

judith_1200_klein

wer von dieser welt geht, ohne darin geblaettert zu haben, tut mir leid. ich moechte auch die uebersetzerin ueber alle maßen loben, die das laecheln fuer unsere sprache erschlossen hat!

Mittwoch, 8. Oktober 2008

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ich habe gerade das gefuehl, als wuerde mir alles zwischen den fingern zerrinnen.

Montag, 6. Oktober 2008

...

als ich 19 war, bekam ich mal physiotherapie. da kam im nebenzimmer immer ein h&m gebraeuntes vorstadtpaerchen um bewegungsuebungen mit ihrem motorisch behinderten kind zu machen. er passte nicht in ihr konzept der makellosigkeit und doch liebten sie ihn, so sehr sie konnten, was nicht reichte, um dem kleinen ihren stillen vorwurf zu verbergen. er war ein trauriges kind und ich spuerte so wie er, was fuer eine buerde er fuer die beiden gti fahrer mit sich brachte. ich fragte mich dann, wie ich mich fuehlen wuerde und ob ich ihn besser annehmen koennte und wusste keine richtige antwort. sein bruder war gesund und saß entweder gelangweilt in der ecke oder spaehte angriffslustig, ob sich eine moeglichkeit bot, auf kosten des kranken bruders ein bisschen sozialstatus gutzumachen. daraufhin erntete er einen boesen seitenblick seiner huefthosenmutti, die sichtlich genervt, ueberfordert, zerissen zwischen liebe und versautem image war und die demuetigung kaum ertrug, die ihr das kind auferlegte. der gesunde bruder verzog sich dann wieder in schuldbewusste schadenfreude und der vater schaute wie ein trauriges 5tes rad, ich fuehlte mich beklemmt. ich haette dem kleinen gern zu einem bisschen freude verholfen.

die physiotherapeutin war eine sehr schoene, sanfte frau und redete allen gut zu bei den uebungen. sie hatte ein jahr zuvor beinhae unverletzt den unfall ueberlebt, bei dem ihr mann und ihr sohn starben.

Samstag, 4. Oktober 2008

schon gewusst,

dass avocados ziemlich hart gehandelt werden?

Freitag, 3. Oktober 2008

wir sind vom regen unter auslassung der traufe in die scheiße geraten.

das war der letzte satz von b aus der siedlung als antwort auf mein: "schoenen feiertag, ha ha!" ich war heute mit einem fotografen da und hab ein paar bewohner befragt. unglaublich, was die nachwendespekulation da angerichtet hat. nur soviel: was wuerden bewohner einer bremer siedlung sagen, wenn ich ihre haeuser kaufte und die baeume abholzte, die vorgartenzaeune wegrisse und die alten leute erpresste, damit sie ausziehen, bis ich auffloege und insolvent ins gefaengnis muesste?

der fotograf hat das ORIGINALSKRIPT MIT TARENTINOS HANDSCHRIFTLICHEN KOMMENTAREN zum neuen tarentino WW2 drama, das in goerlitz abgedreht werden soll. ich werde also bald darin lesen!

der herbst hat sichs unterdessen so richtig gemuetlich gemacht in der siedlung, die fotos kommen bald. 2 filme haben die haeuser schon als nachkriegskulisse verwendet. ein tag im zeichen der bilder!

Donnerstag, 2. Oktober 2008

in warnemuende

gibt es einen buchladen, der hat ein bild als logo, dem ich folgte, nicht des wirklich huebschen ladens oder der buecher wegen, sondern des bilds: ich hab es dann auch als postkarte erstanden und den laden laden sein lassen. manchmal findet man doch ein koernchen schoengeist zwischen all dem kitsch und billigen plunder, mit dem sich die leute abspeisen lassen.

lesendes_maedchen

Donnerstag, 25. September 2008

ich habe den herbst gesehen!

ja! er ist hier!

ganz in der naehe, in a, wo sich die fuechse mit den rentnern gute nacht sagen und die haeuser aus zeiten erzaehlen, wo die menschen noch von ihrem zu hause und nicht ihrem guenstigen wohnraum in ruhiger lage sprachen.

dort, in a, verwildert eine kleine siedlung seit sieben jahren, ein paar leute wohnen noch dort, die restlichen haeuser schlafen: hopfen und wilder wein ueberwuchern buesche und zaeune, schieben ihre frechen triebe in ritzen und nischen des alten mauerwerks. eine ostlaterne haben sie auch schon erobert, bis obenhin!

die walnussbaeume stehen im gierschteppich und werfen mit ihren fruechten, goldregen soweit das auge reicht und dazwischen dunkelroter mohn, der sich jedes jahr selbst neu saet, und noch das kleinste kraeutlein blueht oder traegt eine beere oder wirft einen samen. die biberschwaenze purzeln von den daechern der traeumenden villen, aus den dachrinnen waechst gras und kraut und junge birken und ahorn messen sich sportlich darin, wer die unwirtlichsten stellen zuerst begruent.

in der kleinen siedlung malt der herbst ein bezauberndes bild: die vorgaerten und beete wachsen ueber sich hinaus und wollen noch einmal alles wagen in den fahlen sonnenstrahlen, die weinblaetter faerben sich purpurn an den waenden und die spinnen fangen riesige tautropfen in ihren netzen. sperlinge stieben in die erker und giebel, verwunschene tueren und schmiedeeiserne laternen und briefkaesten, welche die post nicht mehr kennt. elstern meckern, grillen zirpen und kaefer landen auf meiner haut, eine schwarze katze streift auf mich zu und zwinkert erhaben mit den augen, eines gruen und eines braun.

gaerten und pflanzungen, rabatten und beete haben aufgehoert, einem ordnungsgedanken zu folgen. die natur zaubert und zeigt, zu welch atemberaubender schoenheit sie faehig ist, wenn man sie nicht stoert. sie holt sich die siedlung zurueck, langsam und vorsichtig, und bereitet dem herbst ein raschelndes, sirrend beschienenes, bluehend vergessenes nest.

Montag, 22. September 2008

...

guten tag! ich haette gern ein zimmer mit aequatorblick!

sozial sendungsbewusst gegen geistige exkremente

ich habe mir gerade ueberlegt, wie das kaeme, wenn die asiaten ploetzlich auf den trichter kaemen, in westeuropa internationale sozialprojekte aufzuziehen...

dann schreitet die wohnungsbaeuerische dekadenz weiter fort in der stadt: sie erfuellt nun die kindertraeume von juppis, die ohne ihr matchbox neben dem kopfkissen ins bett gepullert haben frueher.

und es geht voran mit meinem buch und zurück mit allem anderen (freundin wohnung arbeit rad). kacke. aber ich lerne zu spuelen.

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