laengst ueberfaellig, habe ich gerade schwarze katze, weißer kater geschaut! nach so einigen filmen der letzten zeit habe ich ja das kuenstlerisch-gestellte mal so richtig satt, filme, denen man anmerkt, dass die schauspieler vertraglich festlegen, wofuer sie sich hergeben und wofuer zu schade sind. filme, die einfach nur inszeniert sind und kein bisschen leben, daher auch kein bisschen leben abbilden koennen.
und dann dieser haufen zigeuner, die einfach nur party machen, und man darf getrost davon ausgehen, dass die nach dem dreh einfach weitergefeiert haben! es gibt ja so momente, da spuert man, hier entsteht etwas, das in ein nuechternes drehbuch nicht zu fassen ist, hier verwirklicht sich ein lebensgefuehl, das wir alle teilen. und kusturica kann den leuten das vermitteln: so, jetzt hoert mal auf zu schauspielern und fangt an zu sein!
und dann das schwein, das den trabbi frist! und wie kann man so echte menschen mit der kamera einfangen und so einen geilen film daraus machen! man muss sich innen drin echt nen teufel um europa und seine kunstszenen scheren. alle daumen hoch vor begeisterung!
ruebefrei - 17. Okt, 00:52
dachte ich hinterher und spuerte doch, es ist noch nicht alles gesagt. laengst nicht alles ist gesagt, und ich wuerde bloggen muessen, kein realer gegenueber haette die ausdauer, das mit anzuhoeren, und wuerde es auch kaum verstehen.
der deutsche film ist in der krise, verstrickt irgendwo zwischen schuld und stil und jener progressiv gemeinten regression, die unter perfide gepflegten hornbrillen und geheimratsecken das schlimmste aus 150 jahren deutscher geschichte wiederbelebt. schwochow und tykwer, um nur zwei vorzeige uebeltaeter zu nennen.
letzterer, unter des seligen eichingers taetschelnder hand und einigen millionen foerdergeldern mit 'das parfum' zu oskars gelangt, vergisst die grundlage ernsthaften handelns: die frage, was will ich erreichen. kein oskar der welt entbindet dich davon: was du zeigst wirkt, und diese wirkung verantwortest du, vom einfachen farbfilter bis zum entsetzlichst versauten satzmonster und grotesker selbstinszenierung deiner schauspieler bis zu laecherlichen berlineinstellungen, die sich an sich selbst verueberfluessigende kleinkuenstler sonst auf kacheln und leinwand drucken und auf den flohmaerkten und ansichtskarten verschleudern.
das alles verantwortest du mit deinem film: eine falsche, gestellte, gespielte, gelogene wirklichkeit, die nur jenen vertraut sein kann, die die cafes bevoelkern zwischen mauerpark und kollwitzkiez, selbstverliebt und tragisch verkannt. die zwischen schauspielerei und leben nicht mehr unterscheiden koennen, die sich noch im halbschlaf fragen, welche pose sie gerade einnehmen und ob sie die gewuenschten blicke auf sich ziehen. die ihre tagesform darin ausdruecken, zu welchem ausmaß sie das -en am wortende als gebundenes n sprechen.
ich bin froh, dass ich den film nicht im kino sah: tom tykwer - drei. sich eruebrigende ethikfragen, spaetgebaerendentrend, patchworkfamilientum verpantscht mit union berlin und den koerperwelten, ein bisschen tod, ein bisschen sex und viel schwachsinniges gerede: wie gesagt, ein oskar entbindet dich nicht von der verantwortung, die wirkung des gezeigten zu vertreten.
was soll man nun denken: im ueberbelichtet realitaetsfremden biotop der prenzelelite entdecken die menschen ihre tiefe trauer, die selbst ihre restlos ausgelebte kreativitaet nicht lindern kann, sie fuehlen sich einsam, unbefriedigt und wissen nicht wieso, sie haben doch immer gemacht, wie mama sagt. geld macht nicht gluecklich, wenn der sex nicht mehr laeuft, und wenn man mal hodenkrebs kriegt, muss man komplett fehlbesetzt seine hohe stirn ins portrait halten, unten ein bisschen grinsen, oben ein bisschen leiden.
kollege schwochow folgte schon in 'novemberkind' aehnlichen vorsaetzen, und leistete sich einen aehnlich fehlbesetzten maennlichen protagonisten wie tykwer, welcher einzig durch seine befremdlich tiefe stimme beeindruckte, erst den (tragisch gescheiterten) frauenversteher gab, dann an anna marie muehe herumgrabschte, und sonst aussah wie einer castingshow fuer vintage schwuchteln entlaufen.
selbstmitleid, verzerrte farbspiele, die der zwischenmenschlichen einoede auch nicht gerecht werden, schauspieler, die ihre bloße erscheinung als kunstwerk begreifen, regisseure, die nichts verwirklichen koennen außer sich selbst. der deutsche film ist in der krise, er leckt sich die wunden und macht den eiter zu geld. dass man filmisch reflektiert, indem man einfach mal zeigt, was ist, dass man drehbuecher den koepfen einfacher leute und nicht den wohlstandssorgen einer kulturelite entnimmt, dass man dem publikum ueber den roten teppich hinaus verpflichtet bleibt: ach, lassen wir das.
wie man hoert, dreht frau muehe einen, sicher sehr tiefgruendigen porno, schwochow verfilmt unterdessen 'der turm'. man darf sich also angeregt durchs haar fahren in den prenzelbars, durcheinandervoegeln, weiterdiskutieren. filmte einer, wie es wirklich aussieht in den koepfen, man muesste in die popcornmaschine kotzen.
ruebefrei - 3. Okt, 01:59
ich hatte also gestern das, was man gemeinhin als one night stand bezeichnen wuerde. ich muss aber zu meiner verteidigung sagen, dass dies durchaus kein oberflaechlicher kontakt war. ich vertrete ja die ansicht, dass eine beziehung sich nicht ueber dauer oder tiefe, sondern ihre ernsthaftigkeit definiert.
rosenspaliere werden ueberbewertet, sagte ich, als wir unter einem baugeruest durchgingen, und sie antwortete: wer braucht schon ein meer und den sonnenuntergang. wir saßen auf einer bank am ubhf mehringdamm, verpassten nachtbus um nachtbus und teilten uns ein bier. sie lag schon betrunken in meinem arm und ich schaute den ampeln beim vom rot auf gruen und gruen auf rot wechseln zu.
das glaubt mir kein mensch, dachte ich, und kurz darauf hatten zwei vorbeischlendernde deutschtuerken gelegenheit, mit einem prolligen, 'krass zungenkuss' ihren neid zu bekunden. folgten gefuehlte zwei stunden nachtbus odyssee. am hackeschen markt setzte sich eine spontankonkurrentin neben mich, rauchte, auch meine betrunkene bekanntschaft steckte sich eine zigarette an. andersrum, zischte es von links, denn dame rechts von mir hatte die zigarette falschrum im mund, wie dreckig, dachte ich fuer mich.
ich hasse rauchende frauen, ich trinke kaum alkohol, und leute zu kuessen, denen der sueßliche fusel aus den mundschleimhaeuten dunstet finde ich ekelhaft. das gefuehl, nehmen zu muessen was ich kriegen kann, laesst mich ueberhaupt sowas ertragen, und mehr als einmal hab ich mich gefragt, warum ich nicht einfach gehe. es war eine komische nacht, und ein bisschen niveau koennte in zukunft nicht schaden.
ruebefrei - 14. Sep, 23:23
sie hat mich vor einem jahr mal abserviert, hoehnisch in meinem beisein mitgeteilt, dass ihr freund in der fdp koeln funktionen hat, nachdem klar war, da laeuft nichts mehr. sie sei opportunist, sagte mein therapeut am uebernaechsten tag, und wollte wohl einen geilen fick, ihm kam das sichtlich schwer ueber die lippen.
ich habe darueber nachgedacht, ihre schwere kindheit beruecksichtigt, der fruehe tod ihres vaters, waisenrente und dieser trotz ihrer strahlend blonden erscheinung schwermuetige blick; dass sie nicht profitaenzerin werden konnte, obwohl sie 16 pirouetten am stueck schaffte und sich soviel versagt hatte fuer ihren traum.
das alles ist fuer mich kein grund dafuer, waehrend des politik studiums im fdp callcenter waehlerfragen zu beantworten, 11 euro die stunde hin oder her.
am montag stieg sie aus der bahn, in die ich einstieg, handy am ohr, mit schmerzlich-zynischem mund und schweren lidern, zu mehr als einer verbitterten hostesse reicht es bisher nicht. was fuer fragen wuerde sie heute beantworten? 2,6 prozent in mecklenburg, und raus aus dem landtag.
sie hat sich zu den typen mit den dicken eiern geschlagen und steht wieder nur bei den verlierern. einmal wird sie blond und schwerer lider von laternenmasten blicken, liberal. waere sie nicht so dumm, sie koennte mir leid tun.
ruebefrei - 7. Sep, 22:39
japan hats geschafft! und es waren sogar japaner in der kneipe! und ich hab es ihnen so gewuenscht, nach jedem scheiß gegentor, dass sie zurueckkommen. ich habe so laut gebruellt! was fuer ein spiel! und die haben es so sehr verdient! und die koennen sich so ehrlich freuen! es ist so geil! yeah!
ruebefrei - 18. Jul, 00:29
ja, es war fusion! sie ist komplett abgesoffen dieses jahr, und war doch meine beste seit langem. ich konnte frei sein, so wie sich das im ferienkommunismus gehoert. ich konnte ich sein mit allen fehlern und schwächen, und mich ausleben.
ja, ich hatte was mit einer 32jaehrigen frau aus nuernberg, und das hat sich sehr gut angefuehlt. was habe ich zuletzt an arbeit da hinein gesteckt, endlich wieder sexuell anwesend zu sein. gestatten: ruebe, sexuell anwesend!
wir wissen: mit der kraft kommt der schmerz. ich habe riesige auffangbecken bereitgestellt fuer alles, was da nun kommt: erpresserische exfreundin, ihre ungewollte schwangerschaft, psychoterror, tyrannei. wut, verlustangst, ausgeliefertsein. soll es kommen, das mutterschiff.
gestern ist es gar passiert, dass ich zumindest in gedanken durchspielte, wie es waere, mal mit meinem therapeuten an einem strang zu ziehen. unerhoert ungeahnte moeglichkeiten tun sich da auf!
es passiert also eine menge zur zeit, wie das so ist im fusionland. ich hoffe, ich kann das alles endlich mal nach berlin holen und hier auch endlich fuer mich einstehen. zeit wirds, und die naechste fusion ist weit. 360 tage quasi, bis die rakete wieder startet. ich habe einiges in die wege zu leiten bis dahin, man kann schließlich nicht immer nur feiern.
ruebefrei - 6. Jul, 23:32
'arriety', der letzte film unter miyazakis mitarbeit, ist nun auch fuer uns und untertitelt anzusehen, trailer und rezension z.b.
hier. er ist wundervoll gezeichnet und wuerde den ghiblis verdientermaßen einen weiteren oscar einbringen, finde ich.
was denkt ihr?
ruebefrei - 23. Jun, 22:49
wuerde ich an dieser stelle mir staendig von der seele schreiben, was es da zu schreiben gibt, ich muesste jeden tag einen meter text produzieren. mein kopf platzt schier, vor zumeist unangenehmen dingen.
allen voran, habe ich morgen ein bewerbungsgespraech zum mathelehrer an einem gymnasium um die ecke. dafuer habe ich mir heute fuer 20 eus schuhe gekauft, und wenn ich eins hasse, dann mir irgendwelchen mist anzuschaffen, um die erwartungen irgendwelcher idioten zu erfuellen. tolle voraussetzungen also, moechte man denken.
seit heute ist mein therapeut wieder da, und nach 4 wochen pause ist es schon eine krasse wahrnehmung, wie heftig ich mit ihm in der uebertragung haenge. nicht schoen, und haessliche kopfschmerzen sind die folge.
die tage sind schwuel, die naechte lau, und berlin denkt nur ans ficken. keine gute zeit, um sich um stabile kontakte zu kuemmern. an die kurzfristigen komme ich nicht ran, und das tut weh.
ich habe meine lebenslange faszination fuer piraterie in eine nun 15 A4seitige geschichte gepackt, die kurz vor ihrer vollendung steht. ich habe die playlist fuer ein album aus eigenen liedern fertig und muesste dringend ueben und aufnehmen, um dieses kapitel zu schließen.
nur mit diesen scheiss kopfschmerzen ist nichts zu bewerkstelligen. schon bitter, dass so eine einzige therapiestunde die arbeit der ganzen letzten wochen gefuehlt zunichte macht.
ruebefrei - 23. Jun, 22:35
hab lange nicht gebloggt, dafuer anderweitig geschrieben. die frage wird lauter, was ich nun mache (an arbeit), und mein berliner umfeld hat keine lust, mich ohne antwort zu akzeptieren. also fahre ich weg. dresden zur zeit. kirchentag, tanzfestival, bunte republik. fusion. ich komme eigentlich nur noch in die wohnung, um zu waschen, drei nächte zu schlafen, mittwochs die gestaltungsgruppe zu besuchen und wieder wegzufahren. montag morgen in einer fremden wohnung aufwachen und nach berlin trampen, wenn andere zur arbeit gehen, mittags studienleute in der mensa treffen. parallelrealitaet.
nicht dass ich faul wäre oder gern lange schliefe, ich komm eben von allein nicht ueber den berg, der bewerbungsdschungel heißt. zuviel angst vor dem scheitern, vor den miesen fragen, double bind und co. ich empfinde das mittlerweile als frechheit und hab keine lust, mir die persoenlichkeit sezieren zu lassen, wenn ich hinterher eh nur vorm rechner sitze und mich frage, wieso.
fuer geld, uebrigens, es geht um geld. nix anderes. geld fuer eine neue wohnung, neue sachen, neue frau. die rote kraft hat mich, nehmen sies mir nicht uebel, wenn ich so direkt frage, gefragt, ob das stimmen kann, sie habe den eindruck, mir sei das einfach alles zu bloed: Ja, mir ist das alles zu bloed.
eine frau die die statussymbole durchcheckt, zum beispiel. oder ein chef der mir Faulheit unterstellt und ausweicht, wenn ich frage, woran er das eigentlich festmacht. Ich finde das entwürdigend. bleibt eigentlich nur hartzvier, und das ist eine verdammt peinliche angelegenheit fuer mich, der sich durch nun zwanzig jahre bildung gearbeitet hat. mir faellt es nicht leicht, mich dazu durchzuringen. staatskohle, weil nicht konfliktfaehig genug, um mich um arbeit zu pruegeln. absurd.
ruebefrei - 15. Jun, 01:43