orhan pamuk war heute an der uni. ich war da, und sein vortrag hat mich wirklich begeistert. einmal wollte ich einen dozenten haben, der einen fesselt, wenn er spricht: voilá! beantwortet hat er die frage oben in neun punkten:
one - we observe the story, motives, ideas, purposes
two - we transform words into images; words become a landscape
"we depart from words and dive into atmosphere - we as the reader complete the story by entering it's landscape through a windowframe. we slowly drown in a new world that reveals itself word by word, sentence by sentence. we start to walk among the shadows of mood beyond the words we're reading."
three - we wonder: what's real experience, what's fiction?
"here we have the logical paradox between the naive reader who loses himself in the text without ever questioning and his sentimental curiosity which longs to reflect about the authors techniques."
four - we ask: is reality like this? is this story conform with what we know?
"though we are in the novel, we compare our perceptions there to those from our real world."
five - we assess, take pleasure of the secret music of the prose
six - we make ethical judgments; first about the characters, then about the author
"proposal to the readers: during reading, ethics should come out of the novel, not out of ourselves."
seven - we develop our private relationship to the author
"you start to think: this novel was only written for me - which is not the case."
eight - our memory continues to try and keep every detail
"somebody said: a novel should only be so long you can read it in one city. i put it like this: a novel should only be so long that the reader can remember all details."
nine - we search for the secret center of the novel
"this is the most frequent action of mind while reading. we are convinced there is a central meaning behind, something that tells us about the secrets of life."
(quoted from
orhan pamuk's lecture at the HUB 01-14-10)
ruebefrei - 14. Jan, 23:38
irgendwie hab ich außen das gefuehl ich werd alt, waehrend ich innen immer mehr zum kind werde. wo sind eigentlich die alle in meinem alter? arbeiten? oben in diesen verglasten buerogebaeuden drin? ich meine, irgendwer muss ja da drin sein.
unterdessen die worte zum noch jungen neuen jahr: kontrolle und abhaengigkeit.
und
musik hat es auch. man muss ja weg und weiter, wenn die zeit stehenbleibt.
es soll schneestuerme geben, und in hamburg friert die alster zu. in muenster radeln sie weiter, als waere es sommer, nur nicht so warm. und in berlin haben sie die schnauze voll, weil die s-bahn nicht faehrt.
im radio bezeichnet der
minister fuer entwicklungshilfe afrika als den vorgarten der deutschen wirtschaft. in der letzten legislaturperiode forderte er noch, man muesse das ministerium fuer enwicklungshilfe abschaffen, sieht darin aber keinen widerspruch zu seinem amt.
ich glaube, ich leih mir langlaeufer aus und renne eine bisschen durch den park.
ruebefrei - 8. Jan, 00:02
heute kam mein geschenk mit der post, in graues packpapier gewickelt. es heißt aussoehnung mit dem inneren kind und wurde von chopich/paul geschrieben. die restlichen geschenke waren eigentlich nur beiwerk.
ruebefrei - 26. Dez, 00:39
ich hab mich das schon eine weile nicht getraut zu schreiben, aus verschiedenen gruenden: zum einen und immer noch wichtigsten will ich mein nest nicht beschmutzen. zum zweiten ist das sehr persoenlich und darum schwer, wirklich ernsthaft und in einer form auszudruecken, die ich im netz vertreten kann.
say, jeder denkt ueber seine eltern nach. und findet dabei vermutlich tausend schlimme dinge, die ersie so nie selbst, jedenfalls anders, und wenn es geht besser machen wird. ich erinnere eine zeit, als ich so 16,17 war, da beoabachtete ich meine eltern, um von ihnen das miteinander zu lernen. das hatte ich natuerlich vorher schon 16,17 jahre getan, aber neu war mein bewusstsein dafuer, und vor allem fuer das, was ich da lernen wollte: wie man liebt.
ja, ich hasste mich dafuer, bei ihnen schauen zu muessen, und zwang mich, es nicht zu tun: keine identitaet an dieser stelle war besser als die eindruecke von nichtachtung und gewalt. nur wogegen man sich am staerksten wehrt, verinnerlicht man gerade deshalb am tiefsten: durch die angst.
ich habe der gewalt ja nicht als unbeteiligter zugesehen: oft genug richtete sie sich gegen mich. damit stand ich direkt in ihrem bann und lernte nicht nur das was ich sah, sondern fuehlte es gleichzeitig mit.
ich hatte schon frueher begonnen, mich davor zu verschließen. mit sieben brachte ich mir das tagtraeumen bei. in oben beschriebenen alter hatte ich meine gesamte gefuehlswelt in die traumebene verfrachtet und lief als tote huelse umher, aus der niemand mehr schlau wurde, let alone ich selbst.
nun weiß ich, dass ich meinen koerper an dieser stelle aufgegeben hatte. ich ließ zu, was immer man mir anzutun gedachte und trug die schmerzen in meine traeume. man war hauptsaechlich mein vater, der auf gefuehlsaueßerung von mir lauerte, um sie anzugreifen, der jedes zeichen eines willens, eines wachsenden selbst zerstoerte und mir seinen willen aufpflanzte.
mit achtzehn hatte ich erste koerperliche symptome wie gelenkschmerzen, nervoeses zucken. ich fuehlte mich tot unter den lebenden und aueßerte nichts, wollte nichts, lebte in einem zustand voelliger apathie und wurde darin belohnt: mein vater ließ mich in ruhe.
was tat meine mutter all die zeit? wenn sie nicht gerade in die arbeit floh oder ihre angst in zwaengen erstickte, wenn sie nicht gerade fuer außenstehende die heile welt herbeiredete (ein gebot im uebrigen, auf dessen missachtung die hoechststrafe stand: niemand hatte etwas aus der familie zu erfahren!), wenn meine mutter also mit ihren geistigen kraeften verfuegbar war, hielt sie den haushalt zusammen und bezog aus ihrer existenziellen rolle ein wenig selbstbewusstsein.
ihre liebe zu mir fand nur umwege, und ich lehnte sie ab. zum einen wollte ich sie schuetzen vor den angriffen meines vaters: wenn er mitbekam, wie meine mutter sich um mich kuemmerte, bestrafte er sie. zum anderen wollte ich, dass sie die kaelte nachempfindet, zu der mein vater mich zwang. auf diese weise nahm er mich ihr weg und sie mir, denn niemand darf etwas besitzen, dass er nicht hat: meine eltern lieben sich nicht.
ich fuehlte mich schuldig daran. und wer die schuld hat, muss sie tilgen. fortan ging meine wiederkehrende kraft dafuer drauf, anderen (ungefragt) zu helfen, sie mit rat und tat zu bedenken, wann immer sie unzufrieden wirkten. weil bei meinen eltern nichts zu machen war, lernte ich, das leid anderer zu antizipieren, zu entschluesseln, zu verstehen, entschuldigen, lindern. ich fuehlte mich verantwortlich dafuer und draengte mich auf.
meine beziehungen sind gepraegt von schuldgefuehlen. mich verliere ich darin, denn in meinem empfinden habe ich kein recht darauf, geliebt zu werden, ich muss mich aufopfern, um gleichwertig zu sein.
wegen staendiger depressionen war ich diesen herbst drei monate in einer klinik fuer psychotherapie. in dem therapeutischen milieu konnte ich spueren, wie unmittelbar eine depressive phase durch ein ereignis ausgeloest wird, in dem ich meine gefuehle hinter die angst zurueckstelle, andere damit zu belasten oder zu stoeren. ich habe gelernt, dass ich mir ueberall elternfiguren schaffe und von ihnen abhaengig werde, mich an ihnen immer wieder enttaeusche.
natuerlich wuensche ich mir von meinen eltern nach wie vor die liebe, die sie mir vorenthalten haben. damit bleibe ich in der kinderrolle und abhaengig von ihrer willkuer.
es faellt mir schwer zu verstehen, dass ich allein bin, dass ich nie von ihnen geliebt werden kann, und ihnen ohne diese erwartung zu begegnen. ihnen ueberhaupt zu begegnen, vorwurfslos, wie einem aelteren paerchen, das man kennt und freundlich grueßt.
und zu glauben, dass nicht alle so sind wie sie.
ruebefrei - 14. Dez, 19:57
sagte s., und recht hat sie. ich hab mir gerade tarantinos basterds angeschaut, und wirklich, da kommt der tod wieder so trashig daher, da koennte man glatt vergessen, dass es da um menschenleben geht. wuerde er nicht links und rechts achtlos ein paar nebenrollen abknallen, die ganz und gar nicht so kunstvoll ableben und ihr leben gern behalten haetten.
ich hatte zweifel, wie ich den film verkraften wuerde, aber ich hab mich an tarentinos geist fuers abstruse gehalten und das geballer baller sein lassen: vous avez essayée le strudel? c'est pas si mauvais ici... mais attendez pour la, comment, la crème... (aerks...)
ein paar geile einstellungen hat er da geliefert, ganz in seinem detailverliebten stil. aber irgendwie war mir das ganze zu duenn, dem fehlte irgendwie die inhaltliche schwere, die er auf kosten einiger wirklich gelungener deutschkarrikaturen wettmacht oder wettmachen sucht:

ich bin winnetou, haeuptling der appachen!
jedenfalls war mir das ganze n bissel zu platt, die musik teils von kill biill uebernommen, bissel kostueme, bissel kulisse und paar amisprueche dazwischen. und wieder ein film, wo der boese besser spielt... dabei hab ich ihn im originalen viersprachenmix geschaut. ob tarantino seinen kill bill nochmal topt?
ruebefrei - 4. Dez, 22:44
hab ich mich ans tastpult gesetzt und einfach away getypet, was mir in den sinn kam. zuvielen leuten hab ich die url gegeben, als dass ich noch schreiben koennte, wie mir der schnabel gewachsen ist: da fallen die anzueglichen, skandalhaften, brisanten und allzu intimen, kurz, jene themen, die die leserzahlen pushen, schonmal unter den, ahaem, lackierten dielenboden.
ich habe ueberlegt, ob ich den blog unter ner neuen adresse weiterfuehren soll. oder ob ich die adresse nicht leuten anvertraute, gerade damit meine leserschaft realer wuerde und ich mein fiktives gegenueber ernster naehme, abwaegte, was man schreibt oder anstandshalber fuer sich behaelt.
fragen ueber fragen. ich koennte antworten, was ich in den monaten digitaler abwesenheit getrieben habe, ich koennte mal was ueber banksy schreiben, auch wenn das netz wahrscheinlich schon ueberquillt davon. ich koennte die sanften themen des alltags streicheln, unverfaenglich und liebfrauenmild.
dabei plagt mich vor allem, dass ich hier ziemlich einsam bin, gerade. und da hilft das alles nix.
ruebefrei - 26. Nov, 18:59
Brenda hat man am 13. August 2009 die Bewaehrung verweigert. Das war einen Tag nach meinem Geburtstag. Schwarzenegger hat ihr Schicksal in die Hand genommen, die Sau. Tausendmal hat ers vorgemacht, wahrscheinlich hat sie sich am Sonntag Abend noch seine Filme reingezogen.
Ich mag ihr
Lied.
Und ich bin wieder da! silicon switched and twisted...
ruebefrei - 22. Nov, 15:56
so, bin erstmal ne gute weile weg.
bis dahin die preisfrage: was ist haengelullitee? fuer jede unter kommentare hinterlassene, halbwegs plausible antwort gibt es einen gummipunkt... los, balgt euch drum!
ruebe
ach ja, hier unten noch was lesestoff fuer die sendepause, damit keiner weint...
ruebefrei - 26. Aug, 00:56