Sonntag, 6. März 2011

wie peinlich!

ich stand heute vor einem beruehmten tempel kyotos und schaute ueber eine veranda hinweg auf die stadt. vor mir versuchte so ein verkrampfter parka häkelwollmützen holländer seine indientuchhosen stoffbeutelfreundin so zu arrangieren, dass sie mit dem, übrigens verregneten, kyoto und einer tempeldachecke im hintergrund ein stimmiges bild für seine canon leckmichamarsch abgebe.

und die tussi, gelangweilt von ihrem idiotenfreund, zieht mich mit einem blick erstmal von oben bis unten aus, während der typ, mit dem rücken zu mir, sie mit der kamera drangsaliert. gott, wie dumm hab ich die angegrinst. verstehe auch nicht, wie frauen an solche trottel geraten und da bleiben. sind wahrscheinlich selbst nicht die hellsten.

Donnerstag, 3. März 2011

wenn man...

... die bahnhofsgegend einer stadt bei nacht als ungeheuer lebenswert empfindet, wie müssen sich dann ihre glanzviertel bei tage zeigen?

ich bin in kyoto und habe selten eine stadt auf anhieb so gemocht!

Freitag, 18. Februar 2011

es ist soweit...

es konnte nicht ewig gutgehen... selbst meinem ignoranten mitteleuropäerblick konnten die feinheiten der japanischen mentalität nicht ewig verborgen bleiben.

wie war das am anfang: am anfang war japan für mich ein europa mit japanern bevölkert, mit anderen autotypen befahren und mit grinsenden katzen beklebt.

mittlerweile habe ich mir ein paar einblicke in das japanische miteinander gegönnt. das steht über allem, so dass man um seine aufklärisch erstrittene unabhängigkeit fürchten möchte. nicht dass sie hier kant nicht verstünden - wenn dir jemand sagt, mach das so, und er zufälllig gerade höheren ranges ist, dann wird es eben so gemacht, punktum. kant kann man dann hinterher diskutieren, und er oder sie wird freundlich dazu nicken.

ich habe mich verliebt in eine suzumi. sie arbeitet in der verfeindeten skischule und hat noch kein sinnbehaftetes wort mit mir gewechselt, den chefs dort sind fast die augen rausgefallen, wie ich in giftgrüner feindesuniform in ihre kantine marschierte und nach besagter suzumi fragte. die zu finden und zur rede zu stellen, das ist nochmal eine ganz andere geschichte.

die kids, die wir unterrrichten: ein derart quirlig verwuselter haufen, der meine über die jahre geschliffenen disziplinarmaßnahmen immer wieder aufs exempel prüft.

helfen ist pflicht.

ich wünschte mir das so: alle fahren in einer reihe hinter mir her, und wenn einer fällt, fahren die anderen drumrum, ich halte an, sammle die gruppe, helfe dem kleinen racker wieder hoch. die realität: sie fahren formation wolke, einer fällt, alle freuen sich, zwei, drei fliegen drüber, der rest bremst ab und unterhält sich, versucht zu helfen (klappt nicht), der unfall wird zum sozialen event, vergessen der lehrer und die skigruppe 50 meter weiter unten. sozial ist eben alles hier.

und japanerinnen sind die unschuld selbst, deswegen darf so eine männergeschichte nur mit hochzeit enden, oder keiner kriegt sie mit. erklärt sich auch, warum suzumi mir einen monat lang immer wieder sagte: bis bald, lächelte, und von dannen preschte (sie steht ganz sportlich überm ski). es sollte keiner wissen - pech gehabt, jetzt wissen es mindestens zwei skischulen zu je 40 skilehrerkindern.

vielleicht stehen sie deshalb auf deutschland: wir sagen, was wir denken, meistens, strohstoppelblond und frei heraus. kein feines lächeln, kein rumgedruckse, wie erfrischend muss das für die sein, einfach mal zu sagen, was ihnen nicht passt. das werde ich hier nicht erleben.

im moment fühle ich mich wohl, weil ich zu verstehen lerne wie sie ticken, die japse. so ein bisschen, als würde ich in ein miniaturuhrwerk blicken, aus winzigen schnurrenden silberrädchen.

Freitag, 28. Januar 2011

chrrr... de japse

ja, ich bin in japan.

ich gebe hier meist voellig unsportlichen pubertierenden skiunterricht.

ja, das ist anstrengend.

ja, das essen ist schlecht.

ja, die japaner koennen nicht nein sagen.

und ja heisst hier hai.

muri muri muri, zo zo zo. arrigato.

komisches land.

japan_skikurs

Freitag, 7. Januar 2011

chez Grandet

"So endet die Geschichte dieser Frau, die mitten in der Welt nichts wußte von der Welt; die - wie nur je eine Frau - geschaffen war zur Gattin und zur Mutter und doch weder Mann noch Kinder hatte."

Und so endet sie eben auch nicht. Madame ist 32 Jahre alt und hat einen Geldschatz zur Verfügung, der im Frankreich des frühen 19. Jahrhunderts einem Wert von einigen Milliarden in heutiger Hand entsprochen haben dürfte. Was tut sie im Alter von 32 Jahren mit einigen Milliarden? Sie vergütet die gute Nanon, de Grassin und den Cornoiller, stiftet für gute Zwecke. Und dann? Sie verwaltet, investiert, handelt, spart. Und spart sich, wie es sie der Vater gelehrt, die Heizung, bis zum ersten Frost im November.

Ein durch blutrünstigen Geiz zusammengerafftes Erbe antreten heißt diesen Geiz übernehmen, der aus jeder Testamentszeile spricht, der von jedem Goldstück tropft. Dieses Erbe verpflichtet, und was der Vater seinen nächsten vom Maul abgespart, spart sich nun die reiche Erbin: die (wie sollte es anders sein) Liebe.

Ihr Vater ließ sie hungern und frieren, während er nachts seine Goldtaler zählte; Nun friert sie und wird nicht satt. Ihr Vater hieß sie seine Röcke flicken, und bis zu ihrem 23. Lebensjahr kannte sie von der Welt nur den trostlosen Blick auf jene Straße, wo alle Stunde gerade ein Mensch vorüberging; Heute verwelkt sie auf ihrem Besitz. Ihr Vater versagte ihr die Liebe ("Sehen Sie, ich würde meine Tochter lieber in die Loire werfen als sie ihrem Cousin geben."), und nach seinem Tod erträgt ihr eingeschnürtes Herz den Fluch des Erdenlebens allein.

Wie kommt sie da wieder raus, wie wird aus Mme Grandet wieder eine fühlende Eugénie?

Wenn M. Grandet - und es gibt viele Landedelleute, die es nicht anders machen - nur seinen schlechten Wein trank und seine faulen Früchte aß, so kocht mein Vater sich Wassersuppe aus teils selbstgezogenem Wurzelgemüse und nennt das mit leuchtenden Augen ein Festessen, das er mit Gurkenwasser würzt, hoch lebe die Nachkriegszeit.

Eines Tages werde ich ein paar hunderttausend erben, die mein Vater mit unserem Unglück erkauft hat. Die er hegt und hortet und niemals rausrückt, mich jahrelang unter der Armutsgrenze leben ließ, im innersten zufrieden, dass da keine Ansprüche kamen, denn er hatte mir die Ansprüche nie beigebracht, mir meine Wünsche aus dem Kopf geschlagen. Wie werde ich mich fühlen, wenn er, vom Tod dazu gezwungen, dieses Blutgeld zurückzahlt?

Noch heute wird mir kalt und ich muss zittern bei dem Gedanken daran, wie ich meine Unterschrift für irgeneine Kapitalanlage meines Vaters hergeben musste. Ich habe meinen Namen in den Dienst seiner Gier gestellt, er missbraucht ihn wahrscheinlich noch immer, und er hätte mir vielleicht sogar ein paar Sous geschenkt, wäre ich ihm dafür nur ein einziges Mal mit Dankbarkeit begegnet.

Wie komme ich da wieder raus, wie wird aus mir wieder ein fühlender Mensch?

Die rote Kraft würde sagen: Sie müssen den Schmerz annehmen, ohne den gibt es keine innere Stärke. Sie werden diese Erniedrigungen und Verletzungen nicht ungeschehen machen, das können Sie vergessen. Und so komme ich da wieder raus: Ich kaufe mir, was ich mir wünsche, entgegen aller Schuldgefühle, ich verdiene mein eigenes Geld und schlage mindestens das geistiges Erbe meines Vaters aus. Damit meine Geschichte nicht so endet wie Eugénie's, die sich mit 32 Jahren die Welt leisten konnte, aber nichts besaß, für das sie in ihr lebte.

Dienstag, 21. Dezember 2010

die türen von dogville

existieren nicht. trotzdem geben sich die bewohner alle, wenn auch etwas plumpe, mühe, ihre knäufe ordentlich zu drehen, die klinken zu drücken, die türen auf- und zuzuschlagen. schlüssel brauchen sie nicht, es geht ohnehin jeder bei jedem ein und aus.

die tontechniker tun ihr übriges, um die fiktiven türen akustisch entstehen zu lassen, und siehe da, wir glauben ihnen die abgrenzende wirkung, weil wir es gut mit den schauspielen meinen, alles andere würde ihre bemühungen schwachsinnig heißen, sie haben eben - transparente türen.

hinter diesen transparenten türen wird gelebt, gelacht, betrogen, vergewaltigt und so weiter, die schauspieler sehen es nicht. UND HIER, genau hier, fängt der film an zu wirken: wir zuschauer sehen und können entscheiden: stellen wir uns zu den bewohnern und werden blind wie sie, obwohl sie (genialerweise in ihren rollen wie auch als reale menschen) das kleinste detail hinter den gedachten fassaden ihrer nachbarn mitbekommen, selbst der blinde mckay sieht es, so umfassend, dass er gar seine scham ablegen kann, blind zu sein: er sieht genauso durch die fassaden seiner nachbarn, wie jene, denen herr von trier das augenlicht ließ; wir sind also frei, unsere augen zu verschließen und jede kleine lüge mitzutragen, die dogville in den abgrund zieht, wo die pfahlramme kürzlich wieder zu arbeiten begonnen hat.

und wir können, dazu lädt uns dann und wann eine vogelperpektive ein, das gesamte elend begreifen, durch das grace (o welch name) ihre ketten schleift. wir können die augen öffnen und durch türen und wände hindurch sehen, was wir nicht sehen wollten, stellten wir uns zu den blinden bewohnern.

eingreifen können wir nicht, das schicksal der bewohner von dogville ist vorgezeichnet und wird sich wiederholen, so oft wir den film starten. es scheint als wären seine türen und wände härter als man denkt, dafür, dass sie nicht existieren.

Sonntag, 19. Dezember 2010

du darfst

ich habe das immer fuer verzweifelte erfolgsmeldungen von menschen gehalten, die sich an sich selbst hindern (zu denen ich gehöre): zu sagen, dass sie spüren, wie sich etwas bewegen wird in der nächsten zeit, sie wüssten das ganz bestimmt. fragte ich sie in der nächsten zeit, also ein zwei jahre später, was sich denn getan habe, war es nicht weit her mit den umgesetzten vorsätzen, aber es fühlte sich trotzdem gut an, die nachfrage gefiel ihnen nur nicht.

dagegen sagen die zen leute, was im geist vorhanden ist, findet auch bald seinen weg in die materielle welt.

ich habe heute morgen gespürt, dass ich bald wieder eine freundin haben werde. das übermächtige DAS DARFST DU NICHT also verschwindet (zuletzt und noch immer anteilig verkörpert von der hässlichen exfreundin und ihrem kontrollzwang).

ich denke, mein gefühl wird gewinnen. so wie es wieder funktioniert, das hier hinzuschreiben.

Dienstag, 14. Dezember 2010

read this!

fire is the reuniting of matter with oxigen. if one bears that in mind, every blaze may be seen as a reunion, an occasion of chemical joy. to smoke a cigar is to end a long separation; to burn down a police station is to hold homecoming for billions of happy molecules.

(the marvellous) tom robbins - even cowgirls get the blues

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