schreiben wollte ich darueber schon laenger, nun habe ich einen anlass. mein ort ist vor kehl weitaus der schlimmste in deutschland, an dem ich je war. da musste ich naemlich immer durch, wenn ich nach amsterdam getrampt bin. wenn ich sicher in einem auto saß, fuehlte ich mich, als fuhren wir durch die hoelle, deren giftschwaden durch die lueftungsanlage zuengelten.
tankstellen, autohaeuser, sexshops, junk food laeden. geistermeile. und eine autobahn, die mitten durch den ort geht. mit buergersteigen und einer ampelschaltung, die jeden tag daran scheitert, das vierspurige desaster in geregelten bahnen zu halten.
ob die menschen an dieser straße noch spueren, wie ihre lebenserwartung dramatisch unter den bundesdurchschnitt sinkt? sie wirken ausgezehrt, krank, einsam und resigniert, wie sie um die fassaden streifen, an denen der straßenstaub jeden frischen putz besetzt. einmal bin ich mit einem innenstadtarchitekten aus dem benachbarten m. durch den stau gestanden, der schuettelte nur betreten den kopf und sprach lieber von halle, wo man nun der innenstadtversteppung entgegensaniert.
in der zuckerstadt klagen die anwohner nun seit 20 jahren erfolgreich gegen die umgehungsstraße, weil ihre grundstuecke betroffen waeren. so sieht jeder sich selbst, und die 40tonner rollen weiterhin durch das zentrum. aus england und holland kommt der halbe osteuropa transit da durch.
einmal stand ich auf dem mittelstreifen und kam 1 stunde lang nicht weg. es WAR die hoelle. ich schwitzte und fror und musste doch atmen. ich atmete den dreck und mein kopf tat mir weh. auch die rasenstuecke logen, sie waren tot und gruen. alles war aus gift, an dieser strecke.
zum hohn haelt dieser ort den kurstadtstatus und verweist auf seine therme. man muss dann abfahren aus dem stau durch das zentrum, das einer endlosen raststaette gleicht.
ihr habt mit 11 von 18 der letzten besucher dieses blogs einen bedeutenden anteil an seinen lesern! ich freue mich darueber! wenn ihr moegt, koennt ihr mir ja ein bisschen swizerduitsch (oder wie man das schreibt) hinterlassen bei den kommentaren. zumindest aber wisst ihr nun, was das berghain ist...
am freitag bin ich so gegen 10 uhr morgens in der phase, wo einen der letzte traum ins tageslicht spuelt, mit der nationalhymne der ddr aufgewacht. im kopf. brutal laut und infernalisch (bambambam bambambam... denn es muss uns doch gelingen... die triolen).
ich wollt gar nicht drueber nachdenken, was der scheiß wieder sollte. interessant ist nur, dass ich den text gar nicht auswendig KANN und mein kopf da furchtbar improvisiert haben muss, gleichzeitig jenes areal bestechend, das die erinnerung an den richtigen text verwaltet.
manchmal wuerde ich meinen kopf gern zurueckbringen. mein naechster waere dann blond.
ach ja. wir waren am samstag im ... taeteraetae ... nasenstaub ... popoficker ... suendenpfuhl ... berghain!
hat ordentlich gerumst und ich hatte lange nicht sone geile party!
so kommt man da hin:
und so geht man wieder raus. das bild gefaellt mir, es faengt das bauchgefuehl ein, das ich vor einem besuch immer kriege.
(fuer alle außerhalb berliner: das berghain ist vielleicht der beste, jedenfalls ein sehr aufregender club hier und die underground tuersteher lassen jeden normalotrottel rein und schicken jeden gestylten arsch nach hause! es klingt immer ein bisschen mysthisch, wenn jemand davon erzaehlt, denn es ist ein in jeder hinsicht extremer ort.)
(dieser artikel wird etwas laenger, also nimm dir zeit dafuer.)
es gibt herrliche kirchenwitze, wie z.b.
- ich war heute mal in der kirche.
- und wie wars?
- spitze, zum schluss haben sie noch das geld rumgereicht. ich habe mir auch einen zehner genommen.
oder
- icke neulich inna kirche wa. seh ick een roochen.
- sach an. und?
- faellt mia dô glatt dit bia aus da hand.
der groeßte witz heißt alexander garth. er ist pfarrer der gemeinde, in der ich nun 5 sonntagsgottesdienste erlebt habe, aber zu seiner person spaeter mehr.
freundlicherweise beginnt sein gottesdienst um 18 uhr, das ist eine gesegnete zeit: die woche ist zuende, man hat den feiertag mal wieder nicht geheiligt, aber zumindest rumgebracht und fuehlt sich einfach leer. selbst partnerschaften haben sich nun ueber schlechtes hollywood hinaus nichts zu sagen, nehme ich an.
da findet sich dann eine quirlige menge junger jesusjuenger zusammen, um einen gottesdienst zu feiern. der ging gestern schonmal so los. jetzt kann man geteilter meinung sein ueber christrock, ich finde die texte auch so ne sache, aber die schlagzeugstimme zur einstimmung fetzt schon mal.
da versammeln sich dann also etwa 100 (sonntag abend in berlin!) leute so langsam in einer dachetage, die mit bar und lounge eher an ein hostel erinnert. gottesdienst mit tontechnik und VJ und band.
hab ich mir natuerlich auch gleich gedacht, ja, da wird dann das mikro rumgereicht, und jeder erzaehlt, wie gott ihn und nur ihn oder sie errettet oder mit wundern versehen hat. auf den ersten blick wars auch so. auf den zweiten aber ganz anders.
erstmal erinnert dort an einen gottesdienst nur noch der segen und das vaterunser. und die predigt, na dazu wollte ich spaeter kommen.
dann geht das alles so fließend, jeder packt irgendwas an und der gottesdienst wird vielmehr aus den leuten heraus gestaltet, als praesentiert. keine glocken, keine orgel, keine knistrigen omastimmchen. stattdessen abwechselnde moderatorenteams, die band mit staendig wechselnder besetzung, liedtexte vom beamer und gebete aus dem stehgreif. und hinterher an die bar.
intuitiv wehre ich mich immer gegen das beten. ich finde auch dieses heillose gerede von gott und jesus und den queraelen seiner zeit reichlich ueberbewertet. ich stell mir immer jesus wie chequevara ohne waffen vor, ein idealistischer revoluzzer mit einem untrueglichen gespuer fuer die menschen und einer gehoerigen portion nachsicht dazu. ich finde, man sollte die kirche im dorf lassen, wenn man solche geschichten erzaehlt.
und gott, na da muss ich wohl passen. meine arbeitshypothese ist, gott sei zur zeit die gesamtheit dessen, was die menschen und ihre gedanken verbindet. also auch mit sich selbst oder mit ihrem kuscheltier oder ihrem neuen benz. ich denke, dass gott eher ein dynamischer begriff fuer dinge ist, die man nicht versteht.
waere zu klaeren, ob gott weg, wenn mensch weg. ist nur nicht so einfach, wenn mensch weg. kann mensch nicht rausfinden, ob gott weg, wenn selbst weg. pech gehabt.
da zanken sich dann die kleriker jahrhundertelang, ob man dieses und jenes wissenschaftlich widerlegte nun abzwacken duerfe von ihrem runden gottesbild. ich glaube dementsprechend, gott ist so eine art virtuelle nullfolge, ein pragmatisches konstrukt, das thematisch schrumpft und in den verbleibenden fragen eine immer filigranere veraestelung offenbart. das ist eine sehr christliche denkweise, denn so eine nullfolge ist immerhin unendlich.
seit laengerem beschleicht mich aber auch die gewissheit, dass sich gott (dieses abstrakte menschenverbindungskonzept) dem versuch entzieht, sich fassen zu lassen. das heißt, je genauer man ihn und das leben in seinem namen hindefiniert, desto mehr schafft man eine momentaufnahme dieses lebens, die zeitlich starr ist und damit ihre dynamik einbueßt. wo zwar viel gott draufsteht, aber nur noch wenig drin ist.
mal angenommen, das wuerde grob so stimmen: wie zur hoelle koennte man dann seine auffassung von gott und der welt jemandem mitteilen, ohne das, was man mitteilen will, damit in dem maß aus der mitteilung zu loeschen, wie man sie praezisiert? also konkret, wenn ich hier großspurig von meinem gottesgespinst schreibe, wie kriege ich es hin, dass du leser das empfaengst, was christen wohl heiligen geist nennen, und nicht eine abfolge von gut gemeinten graphemeinheiten, oder alles in den falschen hals?
gute frage.
an dem punkt bewundere ich immer jenen philosophenhaufen, der ueber ein paar jahrtausende hinweg das zusammengeschmiert hat, was wir als bibel kennen. ich frage mich dann auch, ob das mit dem hoehlenfund der papyrosrollen etc nicht ein aufs feinste eingefaedeltes meisterstueck eines begnadeten menschenkenners darstellt, der die bibel mal eben nach dem fruehstueck geschrieben hat und ihre entstehung dann so verpackte, dass die leute sie nicht nach dem zweiten lesen als klopapier verwenden.
denn eins ist sicher: entgegen aller hartnaeckigsten zuwiderhandlungen und ausmerzversuche bestimmt die biblische moral selbst noch das denken der groeßten arschloecher unserer zeit. und da kann man die schwarte schuetteln, verbieten, verbrennen oder solange neu interpretieren, bis vor der hand das gegenteil drinsteht: was die apostel da zwischen die zeilen geklemmt haben, bleibt sich auf wundersame, wenn man will, goettliche weise, treu. nicht linientreu, aber im mittel. und die bibelzeilen selbst bilden so einen kaefig, der den gott dann zwar notwendigerweise in bestimmte grenzen zwingt, ihn aber darin nicht festlegt, also bibelintern seine dynamik erhaelt. so eine sinnvolle alltagstaugliche abschaetzung der groeße (oder dimension) gottes.
ich finde das eine gewaltige leistung, den gottesgedanken so zu fassen. und die gaengige bibeluebersetzung stinkend langweilig zu lesen. ich staune immer, wenn leute sagen, wie sie neulich das und das gelesen haben wollen und wie ergriffen sie gewesen seien, und dann schlage ich es nach und denke: und nu? selbst bei den ganz spannenden stellen, hiob oder kreuzigung, es sagt mir nicht mehr als die letzte erbschaftsteuerreform. in der ich auch nicht lese.
die bibel ist vielleicht kein buch zum lesen, sondern zum erzaehlen. die geschichten wollen da raus. wirbel machen. leute zu gott bringen. verkuendet das wort. so jedenfalls hoeren es die klerikalen gern. tatsaechlich klingen eindrucksvoll rezitierte stellen doch noch sehr lange im ohr.
na ja. ich bin so ein missionsmuffel. ich denke mir, dass ja, wenn mein gott ein zwischenmenschliches verbindungskonzept ist, eh schon jeder mit drinsteckt, ob er das nun so sieht oder nicht. den grundsaetzen der thermodynamik gehorcht ja schließlich auch jeder, kann er sich auf den kopf stellen und mit den beinen wackeln, satter wird er davon nicht. das muss ich ihm nicht predigen.
satt werden. von gott. christen koennen das. genau da packt mich naemlich der zweifel, dass ich mit meinem irgendwie mal zu beweisenden gotteszusammenhang was anfangen koennte, wenn ich ihn denn schwarz auf weiß praesentierte. ich hab das thema neulich mal aufgeschrieben und in den vorherigen beitrag gepackt. zusammenfassend glaube ich mittlerweile, dass ein definiertes bild von gott den verstaendnishunger eines menschen nicht stillt. wie gesagt, so gut wie man es auch meint, der geist verfluechtigt sich daraus und laesst nur die worthuelse uebrig, in die dann ein paar vagabundierende gedanken einziehen und sie zwecksentfremden, wenn man das gebaeude nicht ordentlich sichert.
ob gott einen zweck hat? den christen nach hat er immerhin was vor mit jedem von uns, der liebe wegen. alles aus liebe.
was mit denen sei, die keine liebe mehr spueren. grenzfaelle von psychopathologie, die sich die gottgeschichtenschreiber nicht hatten traeumen lassen. oder gerade doch?
ich weiß darueber nicht viel. nur, dass mein wochenende scheiße war. verdammt scheiße. und als ich abends in der gemeinde war, hab ich ein bisschen geweint. nur fuer mich. das faellt nicht so auf, der raum ist dunkel dort. es war auch nicht aus trauer, mehr aus innerer einsamkeit vielleicht. so ein befreiendes weinen. ich glaube, orte an denen man weinen kann, sind gute orte. man sagt ja auch, dass gott etwas mit gemeinschaft zu tun hat.
nein, ich bin ueberhaupt nicht der meinung, dass irgendwer zu gott kommen sollte, der darauf keine lust hat. so ein gepflegter atheismus ist mir weißgott sympathischer als dieses seelenheil versprengende missionsheldentum. und die formulierung „zu gott kommen“ kommt mir zu den ohren heraus. wer das beduerfnis in sich verspuert, seine spiritualitaet in ein bewussteres licht zu traenken, der mag unvoreingenommen die verschiedenen angebote gegeneinander abwaegen und sich sein seelenmuesli selber mixen. wenn er den mund dazu nicht aufkriegt, bleibt ihm der naehrwert dennoch verborgen.
so denkt man als moechtegerner aufgeklaerter mensch. das in dieser auffassung verborgenene konfliktpotential moechte man aber gern gesondert betrachten.
in punkto ueberzeugungskraft faellt mir so ein chinesisches sprichwort ein (die sorte, wo immer zitiert wird, wenn so ein selbsternannter wahrheitsfinder sich auf was ganz felsenfestes berufen will):
wer etwas weiß, verliert wenig worte; wer von nichts weiß, der redet viel.
das kommt fast ein bisschen selbstironisch an dieser stelle.
viel reden tut auch der alex. er verleiht damit seiner begeisterungsfaehigkeit ausdruck und pantscht alle moeglichen platitueden, halbwahrheiten, binsen und besenweisheiten und billigen witze in eine zwanzigminuetige darbietung, in der er den weltweit verordneten predigttext mit seinem sanften machoismus vereinbart, darauf hindeutend, dass er jederzeit zu mehr maennlichkeit faehig waere.
er provoziert. er weiß wie man provoziert. er luegt. er weiß, wie man luegt. er denunziert anwesende menschen. er ist zynisch und laeuft am anschlag seiner stresstoleranz. er genießt seinen erfolg und teilt ihn nur mit gott. und seine frau ist 20 jahre juenger als er. ich haette ihn bloßstellen und demuetigen wollen nach der ersten predigt, die ich hoerte. mittlerweile mag ich ihn sehr, denn am ende sagt er einiges mehr, als die gesamtheit seiner phrasen vermuten laesst.
sein erfolg liegt nicht in einem mittelmaeßigen bestseller und ein paar christlich-progressiven entwicklungskonferenzen im jahr. sein erfolg liegt darin, dass er eine gemeinde aufziehen kann, in der jeden sonnstag abend hundert leute ein ehrlich gutes gefuehl dabei haben, zusammenzusein. in der die leute mitarbeiten, weil sie sich als gleichberechtigter teil sehen. und die sich zu 50 prozent aus vorher konfessionslosen speist, das ist in berlin - ein großer erfolg.
nun, gestern ging es um das ewige leben, sie haben die predigtreihe gerade unter das motto „gibt’s doch gar nicht“ gestellt und hinterfragen darin so spukbilder wie den teufel oder die wunderheilungen christi, die ergebnisse klingen, wie zu erwarten, immer in die richtung, ja wer ist auch so bloed und glaubt diese verselbstaendigten maerchen, hier geht es um das bild und die botschaft fuer unsere leben.
in diesem zusammenhang, mein lieblingsgebot:
du sollst dir kein bildnis von mir machen.
mit 14 oder so entdeckte ich, dass so ziemlich 90 prozent der mir bekannten christen dagegen verstießen. neben ihren ueblichen verstoeßen. gleichzeitig nahm ich diese erkenntnis zum willkommenen anlass, meine mitchristen endlich begruendet zu verachten und erwehrte mich erfolglos der ahnung, dass da noch so ein eckchen an gott ist, welches der geist mueder christenlehrer nicht beleuchten konnte.
bei naeherer betrachtung oeffnete mir dieses gebot eine voellig neue sichtweise auf jene opas, die da in den hoehlen das pergament bekrakelt hatten: hatten sie am ende die voraussicht besessen, ihre schriebse vor den scharrenden schnaebeln der hier und jetzt gebliebenen zu bewahren? macht doch nichts einen dietrich so nachhaltig unbrauchbar, wie ihn einmal zu gravieren. vielleicht ist die bibel so ein gravurschutz um das, was wir immerzu gott nennen wollen?
vielleicht lernt ein glaeubiger, seinen graviertrieb in den griff zu kriegen, indem er einfach mal was glaubt, das nicht auf seinem mist gewachsen ist, das er nicht pruefen kann und von dem er nicht vorher weiß, was es bringt? und schafft damit so eine augenblicksromantik, die den augenblick in frieden laesst mit den sorgen der welt?
gestern jedenfalls ging es um die fluse ewiges leben. eine verhaeltnismaeßig unspektakulaere predigt, aber davor gab es diesen videoschnipsel:
ich habe echt geweint, aber nur mit dem linken auge. es war schoen.
p.s. allen, die bis hierhin durchgehalten haben, meinen dank. ich habe noch nie so einen langen beitrag veroeffentlicht, geschweige denn gelesen.
Es käme ein Schlauberger des Wegs, der würde sein Genie an die Gegensprechanlage schlagen und verkünden, wie die Gefühle maßlos überbewertet wurden in einer Zeit, da die Genusssucht die kühlen Köpfe dahinraffte. Ein zweiter würde Glück und Leid in eine objektivierbare Messgröße fassen und beweisen, dass, Gesetz der großen Zahlen, eine emotionale Erhaltungsgröße existiert, die als Summe über Liebe und Hass, Krieg und Frieden oder Glück und Leid geschrieben werden kann. Er würde nicht wagen, seinen Satz von der Liebeserhaltung Gott zu nennen, obschon er sicher sagen könnte, das beschriebene Prinzip sei in und um jeden empfindenden Menschen, es verbinde sie und quantifiziere die Dynamik der sozialen Interaktion: Wer nach Glück strebte, verursachte Leid, wer aufstieg, brachte den nächsten zu Fall und wer sich in den Mittelpunkt vorkämpfte, drängte wieder andere an den Rand.
Die Esoteriker brächen in Jubel aus, denn sie hätten diese Energie als erste gespürt. Vorbei die Zeit, in der sie ein Nischendasein führten, milde verkannt und schief belächelt. Nur noch eine Frage der Zeit war es, bis man mit der Geisteskraft Wasser kochte und die vereinigte Genomsequenz ins All hinaus funkte, auf dass die Menschenheit neu erstand, Lichtjahre entfernt, in einer besseren Welt. Wissenschaftler würden sich die bis an die Zähne ausfinanzierten Mäuler zerreißen über dem angebrochenen Denkzeitalter, die Philosophen kämmten ihre Geheimratsecken fortan in die entgegengesetzte Richtung und die Häupter der Gläubigen täten das ihre, um den Leib vor der feindlichen Strahlung zu schützen.
Behielte der Schlauberger Recht, so müsste seine Erhaltungsgröße am Ende der Welt ins Negative ausschlagen, um die Vorstöße jener Pioniere auszugleichen, die das gewonnene Wissen zum Wohl der Menschen anwenden wollten. Selbstloses Öl flösse auf die Mühlen derer, die da Gleichheit predigten, und das Heil läge nicht länger im Sieg von Gut über Böse, sondern im Augleich aller Spannungen der Welt.
Eines Tages träfe der Schlauberger, nun gebührlich anerkannt, gefragt und ausgezeichnet, zwischen den gestärkten Bettlaken eines Flughafenhotels das Nichts. Gedämpftes Licht schimmerte gegen das schwarze Fenster, unter dem sich die Lichterstreifen der Autobahn in die nahe Stadt ergossen, und er würde die Leere spüren, so unverhofft, wie er einst erkannt hatte, dass man die Grundannahmen der Physik auf geistige Phänomene übertragen konnte. Auf den folgenden Konferenzen nähme er an, sein progressiver Geist addiere sich mit den empfangenen Ehren zu Null, gedämpft oder gemittelt strebe sein Denken in jenes Kräftegleichgewicht, das er beschrieben hatte und das er demnach als Leere empfand. Doch tief in ihm fräße das Nichts die Größe, deren Existenz er bewiesen hatte.
Da klatschten sie ihm Beifall mit ihren artigen Ponys und hohen Stirnen, während sein Erhaltungssatz in die Schublade wanderte, zu den anderen, bis ihn ein findiger Tüftler zum Bau umweltfreundlicher Autos heranzöge. Was unter seinen freien Gedanken das Miteinander neu entfaltete, lag niedergeschrieben wie eine gestrandete Qualle auf dem Seziertisch und hauchte sein Leben aus.
Unwirklich erschiene dem Schlauberger die Welt, die er bis zu diesem Punkt als selbstverständlich erlebt hatte. Er würde ängstlich darauf verzichten, diese Entwicklung einer gigantischen Wissensunschärfe zu unterstellen, denn die Leere in ihm wüchse mit jeder neuen Bahn, die seine Gedanken brechen wollten. Ein dritter Schlauberger träte dankbar in seine Fußstapfen.
ich habe heute noch keine persoenlich relevante email bekommen und bin schon fast am durchdrehen. was das ueber mich aussagt ist ja dann klar... druff haengjeblieben.
jetzt will ich auch mal was schoenes schreiben. die liebe sonne naemlich, die scheint in meinem neuen zimmer direkt auf mein kopfkissen. das zimmer hat also abgezogene dielen und morgensonne und ist so groß, dass man darin locker nen tanzkurs veranstalten koennte. und ist mit allem zusammen dann nicht mehr als 250 euros teuer. ich hatte noch nie so ein schoenes zimmer!
und meine mitbewohner: ich muesste heulen, um rueberzubringen, wie toll die sind. wir haben uns halt erst ohne wohnung gesucht und da hat man vielleicht noch ein schaerferes auge fuer das menschliche. das ist mehr eine familie und so schoen, dass es mich ein bisschen beaengstigt.
mein lieber mitbewohner scheint auch sein ohr am wetterfuehligen volk zu haben: gestern noch schrieb er dem tag eine verbraucht-deprimierende wirkung zu, heute morgen meinte er, "heute ist es besser. mit den menschen so, meine ich." da war er noch nicht draußen gewesen. also auch so einer, der viel denkt und nur die eisbergspitzen ausspricht. und ein hoffnungslos positiver fall dazu.
meine liebe mitbewohnerin ist nochmal eine sache fuer sich. beim kennenlern café cast habe ich kein wort mit ihr gesprochen, weil ich schon beim ersten blick wusste, dass sie es sein wuerde. ich hatte dann ein schlechtes gewissen wegen der anderen bewerber, die sich ja auch bemuehten, eine gute figur zu machen. deswegen habe ich nur mit denen gesprochen.
na die gewinnerin ist jedenfalls die charmanteste mitbewohnerin berlins und ist - wie koennte es anders sein - natuerlich vom gegenteil ueberzeugt.
uns drei verbindet so ein beduerfnis ueber dinge zu sprechen, die unseren mitmenschen nicht mehr als ein verstaendnisloses HAEH? abringen. z.b. die frage (DIE FRAGE), woher wir eigentlich wissen, dass ein anderer dasselbe rot sieht, wenn wir auf was rotes zeigen oder uns richtig nachempfindet, wenn wir ein gefuehl beschreiben, und wie sich solche wahrnehmungen wohl synchronisieren.
na ja. so kuechenphilosophie eben.
und ulkigerweise fand der mitbewohner die mitbewohnerin zu anfang nichtssagend, so dass ich ihr erstmal auf eigene verantwortung zugesagt habe. 1,5 monate spaeter hocken sie jetzt aufeinander wie geschwister.
gestern hats wieder gekracht. immer montags, immer coronal zentral. immer ohne grund. damit beehrt mich heute wieder das gefuehl, nicht vorwaerts zu kommen, nichts zu gelten, unterzugehen, mich nicht behaupten zu koennen, kein potential in mir zu tragen, ueberall bitte bitte machen zu muessen und dafuer nen arschtritt zu kriegen.
schoen.
ich habe bald eine pruefung bei einer frau, der ich mich nicht von anfang an unterwuerfig praesentieren wollte, wie das letzte mal.
da ging ich zum pruefer und meinte, ja, geben sie mir nen termin, erwarten sie nichts großes, mir gehts nicht gut, ich kann nichts im kopf behalten, konzentration, motivation, alles futsch. darauf stehen sie. schoene brave laemmchen. meinte er, das wird schon, taetschel, hat an mir vorbeigeprueft und mich mit ner in jeder hinsicht ungerechtfertigten 2,3 nach hause geschickt.
nun die neue. ich wollte etwas selbstbewusst auftreten und denke mal, sie hielt das fuer anmaßend, koennte auch so geklungen haben. jedenfalls schien sie nicht begeistert von meiner acquaintance und fertigte mich mit dem lockerleichten sektempfang wissenschaftler talk ab, der seinen tieferen sinn mit sequenzen aus spannend, interessant, ich bin gespannt und man darf gespannt sein codiert. (das ist immerhin ein quadruplett code...)
alle, die sie mag, und sie mag alle, kriegen ne 1,0 bei ihr. und ich brings wohl wieder zum schwarzen schaf (man beachte die schoene pervasivitaet dieser vermutung). es aergert mich alles irgendwie, dass ich vor solchen leuten angstrespekt zeigen muss, um ernst genommen zu werden. mal abgesehen davon, dass ich den auch noch kriege, wenn sie mich so abfertigen.
und diesmal wollte ich wirklich mit wissen bestehen, nicht aus mitgefuehl. zumal ich die themen schon mal konnte.
ach mann. ich geh jetzt schwimmen. hat mir der erste pruefer strahlend empfohlen: langstreckenschwimmen. macht er auch. deswegen hat er ja nie stress.
glauben diese erfolgsmenschen eigentlich, was sie reden? und haben sie deswegen erfolg, weil sie andere davon ueberzeugen, dass sie gefaelligst welchen zu haben haben?
ich habe genug fuer heute. ich fahre jetzt gefaelligst erfolgreich zur schwimmhalle.
fuer alle die diesen beitrag bis hierhin gelesen haben und sich jetzt fragen warum: findet einfach heraus, was sich hinter G(p,T) verbirgt und warum man damit auf der erde alles ausrechnen kann (deltaG? alles ist deltaG°!). dann habt auch ihr was gelernt bei der geschichte.
das hat doch mal was von phantasie: die haben das esz in tsk umbenannt. nach schroeder und bloedinger zentrum endlich mal was mit geschmack: tote schwarze katze!